Theorie in der Soziologie

Die Grundfrage der Soziologie ist: Wie ist soziale Ordnung möglich? Dass sich die Gesellschaft verändert, ist nur geringfügig mit dem bewussten Handeln der Menschen erklärbar. Mit Theorien versucht die Soziologie, die Veränderungsprozesse der Gesellschaft anhand ihrer Ursachen, Auswirkungen und ihrer Erscheinung zu erklären und darzustellen.

In der Wissenschaft wird eine Theorie als Menge von Aussagen bezeichnet, die empirisch überprüfbar sind. Diese Aussagen beschreiben meistens die Realität beziehungsweise einen Teil der Realität und sind im Idealfall ein allgemeingültiges Konstrukt. Durch empirisch überprüfte und bestätigte Hypothesen, die in einer Theorie zusammengefasst sind, ergibt sich die Möglichkeit, wissenschaftlich fundierte Arbeit zu leisten. Die Theorien sind in der Soziologie Teil des Forschungsprozesses. Im Forschungsprozess kann entweder eine Theorie gebildet oder eine bereits bestehende Theorie überprüft werden. Theorien bilden folglich einen Ausgangspunkt und eine Grundlage für die Forschung.

In den bestehenden Theorien in der Soziologie lassen sich vor allem zwei grundlegende Ansätze unterscheiden: Die Handlungstheorien und die Strukturtheorien. Die Handlungstheorien gehen von den individuellen Akteuren und ihren Handlungen aus und versuchen, von diesen auf den Wandel und die Struktur der Gesellschaft zu schließen. Die Strukturtheoretiker dagegen gehen von dem umgekehrten Prozess aus. Sie betrachten das individuelle Handeln als Ergebnis gesellschaftlicher Strukturen.

Die Rational-Choice-Theorie ist ein Beispiel für eine Theorie, welche versucht, das Verhalten von Individuen in der Gesellschaft zu erklären. Um sich dieser Analyse zu stellen, wird in der Rational-Choice-Theorie davon ausgegangen, dass der Mensch ein nutzenmaximierendes Wesen ist und aus diesem Grund bei jeder Handlung, wenn auch unbewusst, Vor- und Nachteile gegeneinander abwägt. Dieser Theorieansatz wird beispielsweise verwendet, um in der modernen Gesellschaft zu erklären, wie die Wünsche einzelner Akteure durch bestimmte soziale oder politische Prozesse geformt werden. Ein weiterer theoretischer Ansatz in der Analyse der Gesellschaft ist der Konstruktivismus. Die Vertreter des Konstruktivismus gehen davon aus, dass die Wirklichkeit niemals vollständig abgebildet werden kann, sondern immer aus der Perspektive des Systems heraus konstruiert wird. Beispielsweise kann ein bestimmtes Gebiet für eine Umweltschutzorganisation bedrohte Landschaft darstellen, wogegen die Wirtschaft dort ausschließlich notwendige Ressourcen wahrnimmt. (Maike Tödtloff)


Literaturverweis:

Rosa, Hartmut, David Strecker und Andrea Kottmann (2007): Soziologische Theorien. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft.