Grundbegriffe der Soziologie (Auswahl)

In der Soziologie sind viele Worte des Alltagsgebrauchs inhaltlich aufgeladen, d. h. die Begriffe haben in der Soziologie eine bestimmte Bedeutung. Im Folgenden werden Grundbegriffe der Soziologie kurz erklärt, welche auf der Webseite soziologie-studieren.de verwendet werden.

Akteur

Unter Akteur ist eine handelnde Person, eine Gruppe, ein Verbund oder Kollektiv zu verstehen.

Demographie

Demographie beschreibt die Zusammensetzung und Veränderung der Bevölkerung, meist mithilfe von statistischen Erhebungen.

Determinismus

Determinismus ist die Bezeichnung für die Ursache-Wirkung Beziehung aller Erscheinungen. Kurz gesagt geschieht nichts zufällig sondern alles ist auf eine bestimmte Ursache zurückführbar. Dieser Theorie nach ließen sich genaue Vorhersagen über zukünftige Geschehnisse machen wenn nur genug (alle beeinflussenden) Ursachen – so genannte Kausalketten – bekannt wären.

Gesellschaft

Die Bezeichnung der Gesellschaft wird je nach Blickwinkel unterschiedlich eng oder weit gefasst. Auf allgemeiner Ebene beschreibt der Begriff Gesellschaft dauerhaftes, strukturiertes menschliches Zusammenleben. Die räumliche Dimension reicht von kleinen z. T. elitären Kreisen bis hin zu geographischen Kategorien wie alle Einwohner Deutschlands oder alle Menschen Europas etc. Kennzeichen einer Gesellschaft sind in der Regel vertraglich festgelegte Rechte und Pflichten der Mitglieder.

Gemeinschaft

Gemeinschaften können als urwüchsige Form von Vergesellschaftung verstanden werden. Sie ist meist durch eine starke Solidarität geprägt. Beispiele für klassische Gemeinschaften sind familiäre und verwandtschaftliche Verhältnisse und religiöse (Glaubens-)Gemeinschaften.

Gender

Gender bezeichnet die soziokulturellen Unterschiede der Geschlechterrollen – also die Zuschreibungen und Erwartungen an Menschen aufgrund Ihres biologischen Geschlechts.

Gruppe

Eine Gruppe ist eine soziale Einheit von drei Personen und mehr die durch ein starkes „wir-Gefühl“ geprägt ist.

Habitus

Der Habitus beschreibt das Gesamtauftreten einer Person in Bezug auf Kleidung, Geschmack, Gestik, Mimik, Duktus etc.

Herrschaft

Herrschaft stellt eine relativ dauerhafte und (zumindest zeitweise) stabile Form der Machtausübung dar und erstreckt sich auf einen größeren Personenkreis.

Identität

Identität bezeichnet ein im Verlauf der Sozialisation gebildetes Selbstverständnis einer Person. Identität ist ein soziales Gebilde das sich über Kindheit und Pubertät bis in das Erwachsenenalter durch das Hineinwachsen in die soziokulturelle Umwelt und die selbst und Fremdzuschreibung von sozialen Rollen bildet.

Inklusion / Exklusion

Inklusion bezeichnet die Einbeziehung einzelner Menschen oder Gruppen in die Gesellschaft. Exklusion bedeutet die Ausschließung bzw. Ausgrenzung bestimmter Teile der Gesellschaft aus der Gesamtgesellschaft.

Institution

Unter Institutionen werden in der Soziologie gefestigte Muster sozialer Beziehungen und menschlichen Handelns verstanden.

Integration

Integration beschreibt den Prozess der Eingliederung von Individuen, Gruppen oder Teilen der Gesellschaft in das Gefüge von Werten und Normen von Gruppen, Gemeinschaften oder Gesellschaften.

Macht

Max Weber definierte Macht als „die Chance innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen“. Macht kann auf verschiedenen Faktoren beruhen z. B. körperliche Überlegenheit, Gewalt, wirtschaftliche Abhängigkeit etc. Das Ausüben von Macht kann zwischen einzelnen Menschen, Gruppen, Organisationen, Gesellschaften und Staaten auftreten.

Migration (Immigration / Emigration)

Migration bezeichnet die zeitliche oder dauerhafte Ein- und Auswanderung innerhalb von Gesellschaften (= Binnenmigration) bzw. in oder aus Gesellschaften.

Milieu

Milieu beschreibt die soziokulturellen und wirtschaftlichen Lebensverhältnisse und daraus folgende Werteorientierung eines Menschen, einer Gruppe, einer Klasse oder einer Schicht (z. B. kleinbürgerliches Milieu, konservatives Milieu).

Prozess

Prozess ist ein Überbegriff für dynamische Vorgänge zwischenmenschlicher Beziehungen und Handlungen.

Soziale Ordnung

Soziale Ordnung bezeichnet einen stabilen und dauerhaften Zustand der Gesellschaft in Bezug auf das Werte-, Normen- und Rechtssystem.

Soziale Position

Soziale Positionen können nur in Abgrenzung zu anderen sozialen Positionen definiert werden und beschreiben die Rechte, Pflichten und Erwartungen an die Inhaberin oder den Inhaber einer sozialen Position.

(Soziale) Rolle(n)

Rolle bezeichnet die Erwartungen und Ansprüche die Menschen in sozialen Beziehungen an die Inhaberin oder den Inhaber einer Rolle haben. Rollen sind z. B. die Rolle des Vaters, der Polizistin, des Lehrers, der Vorgesetzten, des Schülers, des Mannes etc.

Soziale Ungleichheit

Soziale Ungleichheit ist ein Hauptuntersuchungsgegenstand mit dem sich die Soziologie befasst. Soziale Ungleichheit wird in der Soziologie als unvermeidbare Begleiterscheinung von Arbeitsteilung und Individualisierung gesehen.

Soziales Handeln

Soziales Handeln beschreibt die Formen des Handelns das bewusst oder unbewusst auf das Verhalten anderer Personen bezogen ist.

Sozialisation

Sozialisation ist die Summe aller Vorkommnisse die aus einem Individuum ein Mitglied der Gesellschaft macht. Sozialisation umschreibt die Prozesse, in denen die soziokulturellen Werte und Normen der Gesellschaft, aber auch Wissen und Können verinnerlicht werden und zur Ausprägung der Persönlichkeit beitragen.

(Sozial-)Struktur

Struktur im Allgemeinen beschreibt ein relativ stabiles Konstrukt dessen Elemente oder Teilbereiche bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterworfen sind. Die Sozialstruktur unterteilt die betrachtete Gesellschaft in seine Elemente oder Teilbereiche unter Beachtung ihrer Wechselbeziehungen und Wirkungszusammenhänge.

Status

Der (soziale) Status einer Person beschreibt die Wertschätzung, die ihr oder ihm in der Gesellschaft aufgrund von sozialen Merkmalen wie Beruf, Vermögen, Privilegien, Macht, Fähigkeiten etc. zugewiesen wird.

System

System ist die Bezeichnung der Gesamtheit von wechselseitigem aufeinander bezogenen Handeln von z. B. Individuen, Gruppen und Gesellschaften.

Vergesellschaftung

Vergesellschaftung beschreibt den dynamischen Prozess von Interaktion und Wechselwirkungen der aus Individuen aufgrund gemeinsamer Interessen Mitglieder einer Gesellschaft macht.

Werte und Normen

Werte und Normen stellen eine Verhaltenserwartung der Gesellschaft an die einzelnen Mitglieder der jeweiligen Gesellschaft dar. Sie regeln z. B auf welche Weise sich Menschen im sozialen Miteinander zu verhalten haben bzw. welches Verhalten von ihnen erwartet wird.

(Julian Heyde)



Literatur:

Hillmann, Karl-Heinz (2007): Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart: Kröner Verlag.

Schwietring, Thomas (2011): Was ist Gesellschaft? Einführung in soziologische Grundbegriffe. Konstanz und München: UTB.